Foto: Kurator Vinzenz Brinkmann zwischen Genzkens „Nofreteten“. © Bernd Kammerer
Frankfurter Museumsufer

Ein Treffen mit Isa Genzken im Liebieghaus

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Das Liebieghaus am Schaumainkai in Frankfurt präsentiert Arbeiten einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart inmitten seiner 5000 Jahre umfassenden Skulpturensammlung.

Jasmin Schülke /

Im beliebten Garten des Liebieghauses ist eine Rose erblüht. Acht Meter hoch ragt sie empor und sie sieht so aus, als ob sie dort hingehört. Isa Genzkens „Pink Rose“ steht in anderen Versionen in New York und Tokio, eine Rose war 2023 vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin zu sehen. Nun hat also auch Frankfurt eine (temporäre) Rose von einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart. Wer die anderen Rosen kennt, wird feststellen, dass diese hier in Frankfurt so wirkt, als stünde sie schon immer dort.

Zum dritten Mal hat das Liebieghaus eine zeitgenössische Position ins Haus geholt und vermutlich noch nie war Isa Genzkens Werk so sinn- und beziehungsreich ausgestellt wie hier, meint Philipp Demandt, Direktor der Liebieghaus Skulpturensammlung. Nun ist es mit Interventionen immer so eine Sache, oft gelingen sie nicht. Das Liebighaus beweist aber nach denen von Jeff Koons (2012) und William Kentridge (2018) erneut, wie gut das funktionieren kann und wie naheliegend es ist, Isa Genzken inmitten der 5000 Jahre umfassenden Sammlung zu präsentieren.

Liebieghaus in Frankfurt: Nofreteten mit Sonnenbrillen

Gleich im ersten Ausstellungsraum gibt es ein Wiedersehen mit zwei Büsten der Nofretete, beide tragen Sonnenbrille, eine ist farbig bemalt und verweist auf das Thema der Polychromie, bei deren Erforschung das Haus weltweit führend ist, Stichwort: „Bunte Götter“. Die Forschungsergebnisse werden seit 2003 in einer Wanderausstellung international präsentiert. Genzkens Werke sind ein aktueller Kommentar zur Farbigkeit antiker Plastik, und es lassen sich noch einen Reihe weiterer Bezüge bilden: das goldene Spiegeln der Sonnenbrille etwa.

Kurator Vinzenz Brinkmann, der die Antikensammlung des Hauses leitet, hat Genzkens Arbeiten derart klug positioniert, dass man – siehe Rose – das Gefühl hat, sie seien schon immer hier. Auch Genzken bezieht sich auf die Ausstellung „Bunte Götter“, in dem sie herausgetrennte Seiten des Ausstellungskatalogs als Collage arrangiert und teilweise ergänzt. Darunter findet sich auch ein Bericht zu kulturellen Aktivitäten der Stadt Bremen 2006 mit dem Titel „Verantwortung übernehmen heißt auch Farbe bekennen“. Genzken war schon immer eine kulturpolitische Künstlerin.

Kleine Tillmans-Ausstellung in der Genzken-Intervention

Auch eines ihrer „Flugzeugfenster“ wird gezeigt. Genzken verwendet in ihrer Arbeit seit 2003 Elemente der Innenverkleidung von Flugzeugen. Im Liebieghaus ist eine Arbeit zu sehen, bei der jeweils ein Blatt mit Caravaggios Haupt der Medusa auf dem Antlitz der Mona Lisa sowie auf Genzkens Gesicht die Fensteröffnung verdeckt. Gegenüber befindet sich ein Relief der Gorgo Medusa, das in einem griechischen Grab in Neapel entdeckt wurde.

An den Wänden finden sich neben den Erläuterungstexten Fotografien, die Wolfgang Tillmans von Genzken gemacht hat. Die beiden Künstler sind freundschaftlich verbunden. Damit gibt es sogar eine kleine Tillmans-Ausstellung in der Genzken-Intervention.

Die Ausstellung „Isa Genzken meets Liebieghaus“ ist bis zum 31. August in der Skulpturensammlung zu sehen. Weitere Informationen: www.liebieghaus.de

Info
Isa Genzken wurde 1948 in Bad Oldesloe geboren und lebt seit 1996 in Berlin. Sie studierte Malerei, Kunstgeschichte, Philosophie, Fotografie und Grafik. 2007 gestaltete sie den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Anlässlich ihren 75. Geburtstags widmete die Neue Nationalgalerie in Berlin der Künstlerin eine große Ausstellung.

Jasmin Schülke
Jasmin Schülke
Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Oktober 2021 Chefredakteurin beim Journal Frankfurt.
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Foto: Kurator Vinzenz Brinkmann zwischen Genzkens „Nofreteten“. © Bernd Kammerer

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